Was würde ein Yogi jetzt tun?

Eine Woche geht zu Ende, eine Woche voller selbstquälerischer Gedanken, betreffend

 

Personen und Ereignissen in meiner aktuellen Lebenssituation.

 

Selbstquälerisch werden sie dann, wenn ich sie nicht mehr abschalten kann. Ich muss

 

dauernd an die Person oder an das Ereignis denken, oftmals ohne wirklich neue

 

Gedanken dabei zu formulieren. Ich wiederhole im Verstand diese Gedankenformen,

 

wieder und immer wieder. Dadurch bekommen sie Kraft und wachsen wiederum in

 

ihrer Beständigkeit und....wiederholen sich von Neuem, vielleicht noch intensiver, noch

 

hartnäckiger. Es kommen Gedankenfetzen dazu, die aber auch nur die

 

wiederkehrende, ursprüngliche Gedankenform nähren und sie noch schrecklicher

 

werden lassen.

 

 

Dann manifestiert sich der zweite Grund der Qual: mein Körper reagiert auf diese

 

Gedanken, er geht sozusagen in Resonanz damit und produziert Emotionen. Die

 

schnellsten, sofort auftretenden Emotionen, sind die des Ärgers auf ein äußerliches

 

Objekt. Diese Person, an die ich denken muss, die nicht meinen Erwartungen und

 

Vorstellungen entspricht, über diese Person werde ich mich ärgern. Ich schimpfe sie,

 

ich verurteile sie oder vielleicht verdamme ich sie. Ich gebe dieser Person letztendlich

 

die Schuld meines Ärgers, meiner Qual. Näher an der Wahrheit ist es zuerst zu fragen

 

was in mir steckt oder was in mir in Resonanz geht zu dieser Person, zu diesem

 

Ereignis. Der Ärger ist vielleicht meine eigene Geschichte und hat mit dem anderen ja

 

gar nichts zu tun. Der Andere handelt in seiner Welt vollkommen richtig.

 

In dieser Bewegung gehe ich zwar in die richtige Richtung, trotzdem bleibt es eine

 

Qual, wo ich zum Schluss durchaus zur Erkenntnis kommen könnte, dass ich einfach

 

schlecht bin. Und das kann zu vernichtenden Resultaten führen im Kontext von

 

Persönlichkeit und Ich-Gefühl.

 

 

Also was würde ein Yogi jetzt tun?

 

Eines was ich in meiner fünfzehnjährigen Yogakarriere bisher erfahren durfte ist, dass

 

es nicht reicht sich hinzusetzen, ein Räucherstäbchen anzuzünden und die ganzen

 

Konflikte mit der Welt um mich, sowie der Konflikte in mir, weg zu meditieren und sich

 

in einen kuschelwarmen, wohltuenden Bewusstseinszustand zu versetzen. Irgendwann

 

muss ich ja da wieder raus und dann trifft mich alles mit so einer Wucht, noch heftiger

 

und womöglich noch belastender. Umso größer wird natürlich der Wunsch sein,

 

mich wieder hinzusetzen und zu meditieren. Auch das geht dann nicht ewig so weiter.

 

Es wird mich innerlich zerreißen, weil ich permanent in zwei verschiedenen Leben

 

präsent sein muss und da alles in diesem Universum zur Einheit, also zur Integration

 

drängt, wird auch in diesem Fall eines von den zwei Leben sich auflösen. Das mündet

 

ebenso in einer persönlichen Katastrophe.

 

Die Meditation hilft aber doch, insofern als Ruhe und Stille die Grundvoraussetzung ist

 

aus dem Gedankenstrom auszubrechen. Das Zeugenbewusstsein weiter zu trainieren

 

um immer wieder zu begreifen und verstehen, dass ich nicht meine Gedanken bin. Und

 

ich bin nicht meine Emotionen. Alles da, auch real, aber ich habe sie und ich bin sie

 

nicht.

 

Aus dieser Stille erwächst die inspirierende Kraft um neue Gedanken zu formen, die

 

nicht mehr negativer Art sind, sondern geschaffen aus der stillen Vollkommenheit, die

 

mir immanent ist. Zu dieser stillen Vollkommenheit, aus der wieder sich Leben formt,

 

als Gedanken, als Emotionen und daraus entstehenden

 

Handlungen, gelange ich über die Meditation.

 

Hatha Yoga bleibt dabei genauso wichtig, weil es mich täglich ins tiefe

 

Körpergewahrsein bringt und ich damit feiner meine Zustände im Inneren spüre. Also

 

auch die Praxis einer achtsamen Bewegung, mit synchronisierter Atmung, schafft die

 

tiefe Verankerung im Körper, als Zugang zum ganzen Wesen und Sein. Die Bewegung

 

hin zum Zentrum.

 

 

Alles ist Spiritualität.

 

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